Erste Lebenszeichen aus dem neuen Semester

Nach guten drei Monaten konnte ich mich nun endlich mal wieder dazu durchringen, etwas für den Blog zu tun. Und auch wenn es nur ein kleines Lebenszeichen ist, so wollte ich doch schon seit einiger Zeit eine Karte meines China-Abenteuers erstellen und hochladen – hier ist sie: China-Reisekarte

Kurzbeschreibung der letzten Wochen

  • Das Praktikum bei Bosch habe ich Anfang März erfolgreich beendet
  • Ein Ausflug ins Indoor-Tauchzentrum Rheinbach hat meiner Freundin und mir viel Freude bereitet und eignet sich prima, um vor dem Urlaub die Utensilien zu testen und die Handgriffe noch mal zu üben
  • Der Urlaub auf Kuramathi (Rasdhoo-Atoll, Malediven) war Wahnsinn, die drei Tage Stopover in Dubai ein schöner Abschluss – Bericht und Bilder folgen noch!
  • Seit April wohne ich nun auch wieder in der Nähe von Heidelberg, da letzten Montag das erste Semester meines Physik-Masters begonnen hat – nach acht turbulenten Monaten kehrt nun also (mehr oder minder) der Alltag wieder ein ;-)
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Zum Abschluss ging’s noch nach Hongkong & Macao

Liebe Leute, was soll ich sagen? Die letzten Wochen waren leider etwas vollgestopft und ich bin nicht dazu gekommen, von meiner – oder besser: unserer – letzten Woche in China zu berichten. Mein “Abenteuer China” hat nämlich nach siebzehn Wochen am 23.12.2011 sein Ende gefunden und ich habe das Land mit einem lachenden und wie ihr euch sicher vorstellen könnt auch mit einem weinenden Auge verlassen. Doch zunächst folgt der Kurzbericht und eine Auswahl an Bildern der letzten Tage im Reich der Mitte.

Bye bye Beijing
Nachdem meine Freundin sicher in Beijing gelandet war, zog es uns in den drei Tagen in Chinas Hauptstadt zu einigen Sehenswürdigkeiten, aber auch zu einigen untouristischeren Orten, die ich im Laufe meine Aufenthaltes kennen und lieben gelernt habe. So waren wir unter anderem auf dem Kohlehügel, auf der großen Mauer bei Jinshanling (und dort so gut wie alleine ;-) ) und im Lama-Tempel und haben auch einige Köstlichkeiten wie zum Beispiel die Pekingente nicht ausgelassen.

Hongkong, Outlying Islands & Macao
Zum Abschluss ging es dann noch für vier Tage nach Hongkong, wo wir je einen Tag für Kowloon, Central, die Inseln Lantau und Lamma sowie die Sonderverwaltungszone Macao reservierten. Besonders hervorzuheben sind der Blick vom Victoria Peak auf Central, die tolle Vegetation und die einsamen Strände auf Lamma Island sowie das unverwechselbare portugiesisch-chinesische Flair in der ehemaligen Kolonie Macao mit den Dörfern Taipa (hier entsteht gerade ein Nachbau des Las Vegas Strip, da Glücksspiel in Macao erlaubt ist, in Festlandchina jedoch nicht) und Coloane (ein verschlafenes Fischerdorf, das von dem ganzen Rummel nichts mitzubekommen scheint).

Auch diese letzte Woche war voller genialer Eindrücke und Erfahrungen und wird mir lange im Gedächtnis bleiben, insbesondere da ich nicht alleine herumreisen musste, sondern von meiner Freundin Katharina begleitet wurde. So konnte sie mich auch ganz langsam wieder an Deutschland gewöhnen und der Kulturschock beim Wiedereinstieg direkt in die Hochphase der Weihnachtssaison viel etwas sanfter aus. ;-)

Neues Jahr, neues Praktikum?!
Um Januar und Februar nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und neben der Unternehmensberatung auch noch einen Einblick in die Industrie zu bekommen, bevor ich mit dem Master beginne, habe ich mich dazu entschieden, ab Anfang Januar eine Praktikantenstelle in der Konzernforschung von Bosch anzutreten. Im Bereich “Automatische Optische Inspektion” in Schwieberdingen bei Stuttgart arbeite ich also nun seit fast drei Wochen daran, die Fehlererkennung in der automatisierten Produktion zu verbessern.

In den nächsten Wochen und Monaten ist also vorerst nicht mit weiteren Reiseberichten zu rechnen – und das soll keine Beleidung an das Schwabenländle sein. Vielleicht lasse ich dennoch von Zeit zu Zeit mal von mir hören, aber sicher nicht mehr so regelmäßig wie zu “Pekinger Zeiten”. An dieser Stelle daher erst einmal: Macht’s gut und startet gut in 2012!

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Chengde – Besuch einer Sommerresidenz… im Winter!

Ohne Pass kommt man als Ausländer in China ja nicht weit (weder Übernachtung noch längere Zugfahrt ist möglich) und da ich mein Visum noch ein letztes Mal verlängern lassen musste, war ich auch am vergangenen Wochenende an Beijing gekettet… wobei… nicht ganz! Schließlich kann man auch mit einem gemieteten Auto samt Fahrer Ausflüge machen, nur eben nicht so weit. Also haben wir uns zu viert auf nach Chengde in der Hebei Provinz gemacht. Diese Sommerresidenz der frühen Qing-Herrscher liegt etwa 260 km nordöstlich von Beijing und hat neben schöner Berglandschaft auch einiges an Tempeln zu bieten.

Die erste Anlaufstelle nach der gut zweieinhalbstündigen Fahrt war der Puning Tempel, der neben schönen traditionellen Gebäuden auch die höchste buddhistische Statue der Welt, den 22 Meter hohen hölzernen Guanyin beherbergt.

Nach einem sättigenden Mittagessen sind wir dann zum Putuozongcheng Tempel gefahren, einem verkleinerten Nachbau des Potala Palastes in Lhasa, Tibet. So klein war er dann allerdings doch nicht und ich kann mir nun gut die Ausmaße des „echten“ Potala Palastes vorstellen. Auch die Aussicht von der obersten Plattform des Tempels ist echt sehenswert, da man die komplette Berglandschaft überblickt – wenn es jetzt noch warm gewesen wäre, hätte man sofort verstehen können, warum es die Qing-Herrscher im Sommer hier hin gezogen hat (wobei ich dazu sagen muss, dass im Winter völlig unverständlicherweise wesentlich weniger Touristen unterwegs sind… wir waren quasi fast alleine in den Tempeln).

Die letzte Station des Tages war der Shuangta Shan, ein Gebirgszug auf dessen einem Buckel zwei sehr steile (und wenn ich sage sehr steil, meine ich mindestens 90 Grad Steigung!) Felsnadeln gute 30 Meter in die Höhe ragen, auf deren Spitze jeweils eine alte Pagode steht. Schaut es euch am besten auf den Bildern selbst an, die ganze Szene ist etwas schwer zu beschreiben, weil es ziemlich unwirklich aussieht – aber einfach atemberaubend!
Bis heute ist übrigens ungeklärt, wie die beiden Gebäude dort hoch gekommen sind. Was mich allerdings noch mehr interessieren würde, ist, wer diese nutzen soll und warum man sie so ungünstig aufgestellt hat? Eventuell die frei laufenden Affen, die wir auf dem Rückweg „getroffen“ haben. ;)

Back to business: Ein Blick auf den Kalender verrät mir, dass morgen mein letzter Arbeitstag bei SMC ist und dass es in 9 Tagen zurück nach Deutschland geht – wie schnell doch die Zeit verfliegt! Mir hat es hier jedenfalls sehr gut gefallen und ich kann nur jedem empfehlen, nehmt solche Möglichkeiten wahr, wenn sie sich bieten! :)

Da ich nicht sicher bin, ob ich von den Ausflügen mit meiner Freundin (die morgen Abend hier ankommt! :) ) zur Großen Mauer nach Jinshanling am Samstag und nach Hongkong/Macao nächste Woche so zeitnah wie bisher bloggen kann, sage ich an dieser Stelle schon mal: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in 2012!

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Langes Wochenende in Südkorea

Was macht man mit einem letzten Urlaubstag und einem letzten Exit-Entry auf dem Visum, wenn man halb China schon bereist hat? Ganz klar, einen Kurzausflug ins benachbarte Ausland! Da ich die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao schon in der Vorweihnachtswoche besuchen will, fiel die Wahl recht schnell auf Südkorea – insbesondere, da der Flug von Peking nach Seoul nur zwei Stunden dauert und den Geldbeutel nicht allzu sehr strapaziert.

Sightseeing in Seoul
Gegen Mittag in Südkoreas Hauptstadt angekommen, habe ich mir zuerst die volle Ladung Kultur und Sightseeing gegeben: Erstes Ziel war der Gyeongbok Palast, der sehr an die vielen Tempel hier in China erinnert (und mich nicht so sehr vom Hocker gehauen hat, da ich schon gefühlte 2.913 derartige Tempel gesehen habe in den letzten gut drei Monaten) und als der bedeutendste Palast in Südkorea gilt. Danach bin ich mit der enorm gut ausgestatteten und ausgebauten U-Bahn – deutsche Städte sollten sich vor Scham in die Ecke stellen – zum War Memorial Museum gefahren, in dem Südkorea an die unzähligen verlorenen (und auch ein paar mit Hilfe der Amerikaner gewonnenen) Kriege erinnert. Besonders imposant ist die Ausstellung sämtlicher originaler Kriegsgeräte vor dem Seitenflügel des War Memorials.

Am frühen Abend bin ich dann in das „Come Inn Hostel“ im Univiertel Hongdae eingecheckt, das ich an dieser Stelle besonders empfehlen möchte: Der freundliche Herbergsvater erfüllt nahezu jeden Wunsch und neben täglich frischen Handtüchern, selbstgemachtem Frühstück (Toastbrot und Spiegelei), WLAN und den vielen anderen fast schon Hotel-artigen Annehmlichkeiten vergisst man fast, dass man hier für nur (für Seouls Verhältnisse unverschämt günstige) 16 Euro pro Nacht ein Dach über dem Kopf und ein Bett im 8-Bett Schlafsaal bekommt.

Um einen Blick auf Seoul bei Nacht zu erhaschen, bin ich dann am späten Abend noch mit dem Namsan Cable Car auf eben jenen Namsan Berg gefahren und habe den fantastischen Rundblick von Seouls höchstem Punkt, der Aussichtsplattform des N Seoul Towers, genossen.

Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea
Der Samstag stand ganz im Zeichen des Kalten Kriegs, da ich bei einem Ausflug (mit „TourDMZ“, auch hier ein „Daumen hoch“) zur Demilitarisierten Zone an der nordkoreanischen Grenze die Spannung sichtlich spüren konnte. Zwar noch nicht beim Besichtigen des dritten Tunnels, den die Nordkoreaner gegraben haben, um Südkorea zu infiltrieren und auch nicht am letzten Bahnhof auf südkoreanischer Seite, der ab Wiedervereinigung den Zugverkehr nach Nordkorea und China bewerkstelligen soll, aber definitiv in der Joint Security Area. Diese JSA genannte Zone dient dazu, Verhandlungen zwischen den beiden Staaten abzuhalten, zwischen denen zwar Waffenstillstand herrscht, der Krieg aber noch nicht als beendet erklärt ist. So stehen sich also nördlich und südlich der Grenze die Soldaten der beiden Staaten mit etwa 10 Metern Abstand gegenüber und schauen sich Tag für Tag hasserfüllt in die Augen… um diese „Augenkriege“ zu vermeiden tragen die Südkoreaner seit ein paar Jahren 24 Stunden am Tag extrem dunkle Sonnenbrillen.
Das Gefühl, sich in einem Kriegsfilm zu befinden, wurde noch durch unseren „Aufpasser“ (der zugleich unser Tourguide in der JSA war) verstärkt – allein seine etwas wortkarge und mehr oder minder gefühlskalte Selbstvorstellung ohne auch nur eine geringe Veränderung seiner Gesichtszüge zu zeigen war Hollywood-reif: „I’m Private Jensen and I’ll watch each and every of your steps today!“ (Man stelle sich das in breitestem Südstaatenakzent vor und eben genau wie in einem amerikanischen Kriegsfilm).

Ein Highlight habe ich allerdings schon vor dem Ausflug entdeckt: Die Toilette im noblen Lotte-Hotel in Seoul, von wo aus die Tour gestartet ist. Ich weiß, man soll nicht über das stille Örtchen reden – aber das hier ist eher ein Absatz über Hightech und Science Fiction! Man schaue sich nur mal das Bild der WC-Steuerung an: Toilettenbrillen-Heizung? Wahnsinn! ;-)

Von Mega-Malls und Straßenmärkten
Nach der Rückkehr in die Hauptstadt habe ich mich zunächst mit einigen sehr leckeren Snacks ausgestattet und dann die Besichtigung der Innenstadt fortgesetzt. Die erste Etappe war der Cheonggye-Fluss, der mitten durch die Stadt fließt und zu einer sauberen und attraktiven Flaniermeile ausgebaut wurde. Nach einem ausgedehnten Spaziergang, bei dem die Snacks alle auf unerklärliche Art und Weise verschwunden sind, habe ich mir noch eine der bekannten Mega-Malls angeschaut, ein luxuriöses Shopping-Paradies auf vierzehn prall gefüllten Stockwerken, dessen touristisches Highlight (wenn man nicht gerade Shopping-verrückt ist) die schön gestaltete Dachterrasse mit Garten ist.
Nach diesem Tempel der Dekadenz bin ich (um die Balance zu halten) zum unweit gelegenen Namdaemun-Markt gegangen – ein typischer asiatischer Nachtmarkt, auf dem man von Fake-Markenwaren über frisches Essen bis hin zu Plastik-Christbäumen alles kaufen konnte. Insbesondere die Essenszelte fand ich einfach nur genial und hab daher ein paar mehr Bilder geschossen (s. ganz unten).

Den späten Samstagabend hab ich dann bei einem Spaziergang durch’s Univiertel Hongdae ausklingen lassen, wo allerlei Straßenkünstler richtig gute Live-Musik dargeboten haben (unweit gibt es dem Stadtplan nach auch einige Musik-Hochschulen).

Nach einem morgendlichen Ausflug in die Stadt auf der Suche nach ein paar Postkarten (die leider nicht erfolgreich war, da es an den öffentlichen Plätzen in Seoul zwar alle westlichen Fastfood-Ketten mehrfach gibt, aber dafür keine Souvenirläden – diesmal gibt’s also ärgerlicherweise keine Karten) bin ich dann gegen Mittag zum Flughafen und hab den Heimflug nach Beijing angetreten.

Apropos Heimflug… bald fliege ich dann ja auch „richtig“ heim. Aber vorher ist noch ein Ausflug mit meiner Freundin (die heute in einer Woche chinesischen Boden betritt) nach Hongkong und Macao geplant, bevor es dann einen Tag vor Weihnachten zurück nach Deutschland geht.

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Weihnachtsmarkt in der Deutschen Botschaft

Ein bisschen vermisst man die Weihnachtsstimmung ja hier schon, auch wenn es einem in Deutschland eher auf die Nerven geht, da ja in den letzten Jahren eher zum Übertreiben geneigt wird, was “Weihnachtlichkeit” angeht.

Um euch kurz wissen zu lassen, dass die Deutsche Botschaft in Peking daher dankenswerterweise vorletztes Wochenende einen Weihnachtsmarkt eingerichtet hatte (und um zu demonstrieren, dass ich auch kurze Beiträge schreiben kann), sei an dieser Stelle nur gesagt: Frohe Vorweihnachtszeit allerseits!

Die Bilder zeigen den von der Botschaft und einigen deutschen Firmen mit großen Filialen hier in Peking auf die Beine gestellten Weihnachtsmarkt, dessen Erträge an Hilfsorganisationen gespendet wurden. Wie man sieht ging es dort auch sehr “deutsch” zu: Alle warten ganz brav in der Warteschlange am Eingang, der Siemens-Glühwein und die VW-Currywurst schmecken sehr deutsch, werden aber auch zu mehr als deutschen Preisen verkauft und zu guter Letzt sprechen auch noch so gut wie alle Anwesenden Deutsch – ein kleines bisschen Heimatgefühl im fernen Osten! ;)

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Mehr als nur die Terrakotta-Armee – Xi’an!

Vergangenes Wochenende ging es also mit dem Nachtzug (Fr. 20:30 – Sa. 9:00, ca. 30 Euro pro Weg im Hardsleeper) in eine der bedeutendsten alten Hauptstädte Chinas: Xi’an!

Terrakotta-Armee: „Must-See“, aber nicht „Breathtaking“
Kaum in Xi’an angekommen, ging es nach einem kurzen Frühstück mit dem öffentlichen Bus 306 zur Terrakotta-Armee, die eine gute Stunde außerhalb der Innenstadt liegt. Das mit Studentenausweis nur noch halb so teure Ticket (Wink mit dem Zaunpfahl: Immer Studentenausweis mitnehmen!) gewährte uns sieben Siemensianern dann Eintritt zu den drei Ausgrabungshallen, wobei Halle 1 definitiv die beeindruckendste Kulisse bietet: Einige hundert lebensgroße Tonsoldaten und -pferde stehen dort in Reih und Glied. Obgleich die Ausmaße der Grabanlage von Kaiser Qin Shihuangdis wirklich sagenhaft sind, würde ich diese nicht als 8. Weltwunder bezeichnen, wie es einige Reiseführer tun.

Innerhalb der Stadtmauern und muslimisches Viertel
Nachdem wir dann mit dem selben Bus wieder zurück zum Bahnhof gefahren sind, haben wir einen kurzen Abstecher ins Hostel gemacht um Einzuchecken und unsere Rucksäcke loszuwerden. Das Qixian Hostel will ich dann hier auch in einem Satz erwähnen: Ein wirklich schönes Hostel, dessen Zimmer in einem traditionellen chinesischen Wohnhof untergebracht sind (s. Bild) – für eine Nacht im 10-Bett-Zimmer (praktischerweise ohne andere Gäste) haben wir pro Person etwas weniger als 5 Euro gezahlt.
Ohne Rucksack und etwas „frisch gemacht“ sind wir dann aufgebrochen ins muslimische Viertel, das neben unzähligen Souvenir-, Backpacker- und Fake-Markenartikelgeschäften auch eine große Moschee in chinesischem Baustil zu bieten hat – einzigartig! Mit Einbruch der Dunkelheit pulsiert in den engen Gassen das Leben und man findet zahlreiche Snacks, die nicht nur lecker, sondern auch günstig und frisch zubereitet sind – so soll Fastfood sein!

Große und Kleine Wildganspagode
Nach dem ausladenden Spaziergang durch das muslimische Viertel hin zum Trommelturm (hier wurde früher immer die Trommel geschlagen, um das Hochziehen der Zugbrücken vor den Stadttoren bei Sonnenuntergang anzukündigen) sind wir schließlich zur Großen Wildganspagode, einer 7-stöckigen Pagode aus dem 7. Jahrhundert, gefahren und haben uns die allabendliche (Beginn: 20.30 Uhr) Fontänen- und Lichtshow angeschaut.
Hier brauche ich nun praktischerweise keinen neuen Abschnitt anzufangen, da unser Sonntag auch genau an besagter Großer Wildganspagode begann (keine Angst, wir waren zwischendurch im Hostel ;-) ). Da der Tempel in dem die Pagode steht recht früh schließt, haben wir uns entschieden am nächsten Morgen noch mal hinzufahren und uns auch eben jene Tempelanlage anzuschauen sowie den tollen Ausblick vom obersten Stockwerk der Pagode auf die Stadt zu genießen. Ein paar Kilometer weiter befindet sich in einem Park auch noch die Kleine Wildganspagode, die der Großen nachempfunden, nur eben – wer hätte es gedacht – etwas kleiner ist. Ein halbstündiger Fußmarsch von der Kleinen Wildganspagode zum Trommelturm bescherte uns nicht nur einen neuen Jianzi (allmählich sollte bekannt sein, was das ist), sondern wir konnten auch zwei leckere Kleinigkeiten unterwegs essen. Zum Einen einen vegetarischen Wrap (was ja nicht ganz mein Ding ist – aber so schlecht war er gar nicht, da meine begrenzten Chinesisch-Kenntnisse doch noch gut genug waren, den Versuch der Köchin, ein Salatblatt darin unterzubringen, unterbinden zu können) und zum Anderen eine lokale Köstlichkeit, Rou Jia Mo, eine Art abgespeckter Hamburger, der nur aus einem Fladenbrot und gekochtem Lammfleisch besteht.

Nicht nur innerhalb, sondern auch auf der Stadtmauer
Nach der Besichtigung des Trommelturms, von dem man einen guten Ausblick auf das muslimische Viertel hat, ging es ein zweites Mal durch eben dieses, um noch ein paar letzte Mitbringsel zu besorgen (und einen Ersatz für meinen Supermarkt-Rucksack, dessen Nähte nach den ganzen Ausflügen doch etwas nachgegeben haben und der wohl nicht mit nach Deutschland fliegen wird in 30 Tagen – JA, richtig gelesen, es sind nur noch 30 Tage!).
Das Mittagessen bestand mal wieder aus einer lokalen Köstlichkeit (die Xi’an-Küche ist tatsächlich in ganz China berühmt), kleinen Teigtaschen mit Fleisch oder Gemüse, fast so wie Maultaschen. Die Unfähigkeit die benötigte Menge richtig einzuschätzen und auf Chinesisch zum Ausdruck zu bringen sorgte dafür, dass wir letztendlich für fünf Personen gute 1,5 kg frische „Jiaozi“ auf dem Tisch hatten – geschmacklich top, aber ein gutes Stück Arbeit!
Nach getaner Arbeit und einer Aufwärmrunde Jianzi in einem Park haben wir uns dann auf den Weg zum Osttor gemacht, um mit dem Fahrrad über die alte Stadtmauer zu radeln. Diese ist etwa 14 km lang, 12 m hoch und ihre Krone ist mit etwa 12-14 m breit genug, um darauf entspannt zu radeln und sich das Stadtbild in aller Ruhe aus der Vogelperspektive anschauen zu können (die alten Häuser sind z.B. alle niedriger als der Glockenturm). 12-14 m sind allerdings auch breit genug, um darauf Jianzi zu spielen, was wir nach der Radtour auch ausgiebig (~45 Min.) getan haben und nun auf geschätzten 4,72 Millionen Urlaubsfotos sowie einiger -videos chinesischer Inlandstouristen verewigt sind – das werden sie wohl noch ihren Enkeln voller Stolz zeigen: Fünf junge Westler (das allein ist schon eine Seltenheit, da die meisten Westler hier jenseits der 50 sind und mit geführten Touren durch’s Land reisen) spielen auf der alten Stadtmauer ein typisch asiatisches Freizeitspiel und beherrschen das sogar recht gut.
Nach dieser Demonstration unser sportlichen Fähigkeiten haben wir uns dann auf den Weg zum Bahnhof gemacht und sind mit dem Nachtzug zurück in die Hauptstadt gefahren. Am Westbahnhof angekommen habe ich mich dann mit dem Taxi auf den Weg zu Siemens gemacht und mich im Büro schnell in Schale geworfen (der Vorbereitete hat vor solchen Ausflügen natürlich freitags einen frischen Anzug, Hemd, Lackschuhe und Unterwäsche im Kleiderschrank im Büro gelassen) – Trip geglückt und Spaß hat’s auch gemacht! :-)

Dieses Wochenende wird es übrigens „nur“ Beijing (höre ich da ein „ach wie langweilig“?), wo wir samstags den Weihnachtsmarkt der Deutschen Botschaft besuchen wollen. Außerdem hab ich noch den ein oder anderen Besuch beim Schneider zwecks Maßanzug und -hemden vor mir und wie bereits erwähnt rinnt mir die Zeit durch die Finger: noch 30 Tage! :-)

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Sonne, Strand und „deutsches“ Bier – Qingdao!

Letztes Wochenende ging es also zu acht nach Qingdao (dt. Tsingtau), ein Küstenort etwa 800 km südöstlich von Beijing, der mit dem High-Speed Train in etwa 5 Stunden (knapp 30 Euro pro Weg) zu erreichen ist.

Aus dem Zug ausgestiegen erwartet einen direkt ein ganz anderes Bild als in Beijing: Statt Maiskolben, „Pfannkuchen“ und süßen Würstchen (ganz grausam!) verkaufen die kleinen Essensstände und Garküchen hier Seafood so weit das Auge reicht – fröhlich plantschende Garnelen, Krebse und anderes Meeresgetier wartet in Aquarien auf den Grill oder die Kochplatte.

Unser Hostel (Qingdao Observatory, knapp 6 Euro pro Nacht) kann ich an dieser Stelle auch besonders hervorheben: Eine umgebaute Sternwarte auf einem bewaldeten Hügel, von dem man zum Einen die ganze Stadt sieht und zum Anderen sehr schnell zu Fuß am Strand und an einigen der Sehenswürdigkeiten ist. Nach dem Check-In haben wir in der hauseigenen Rooftopbar noch ein Tsingtau genossen und uns dann nach etwas zu Essen umgeschaut.

Den Samstag haben wir mit einem ausgedehnten Spaziergang an der Uferpromenade begonnen und unter anderem den Pavillon, der als Logo für die Tsingtau-Brauerei fungiert, besucht. Die Mittagspause am Strand wurde dazu genutzt den chinesischen Frührentnern beim Sport treiben zuzusehen, denn hier gibt es ein Fitnessstudio direkt „auf“ dem Strand (fast so wie in Long Beach, California ;) ) und es war auch warm genug für kurze Hose und T-Shirt. Bei dem tollen Wetter und der netten Location wurden wir aber auch selbst aktiv und spielten ein bisschen Jianzi (remember?).

Nach einem Seafood-Mittagessen, das zwar reich an Delikatessen (Seegurke, Muscheln, Tiger Prawns, Tintenfisch, etc.), aber dafür etwas arm an „Substanz“ war, haben wir dann die Tsingtau-Brauerei besucht und uns neben dem Bier-Museum auch die tatsächliche Produktion genauer angeschaut. Nach einer weiteren Jianzi-Session mit chinesischer Beteiligung auf dem Platz des 4. Mai und einem Zwischenstopp im Hostel sind wir dann in eine etwas größere Kneipe namens LPG (Let’s Play Games) gefahren und haben bei Billard, Kicker und Dart das mittags begutachtete Tsingtau auf Qualität und Geschmack getestet.

Der nächste Vormittag stand mal wieder ganz im Zeichen von Meeresgetier, das diesmal allerdings nicht auf dem Teller landete, sondern im sehr gut ausgestatteten Qingdao Aquarium begutachtet wurde. Besonders faszinieren mich immer wieder die fast transparenten Quallen – ich glaube ein Aquarium mit Quallen kommt auf meinen Wunschzettel für die nächste Wohnung in Deutschland.

Bevor wir dann um 17.24 Uhr den Schnellzug zurück nach Beijing nahmen, ging es noch ein mal zum Strand und auf die kleine grüne Insel (xiaoqingdao), die Qingdao den Namen gegeben hat. Insgesamt hat es richtig gut getan, für zwei Tage dem Smog und der Hektik Beijings zu entfliehen, ein bisschen saubere Küstenluft einzuatmen und Sonne zu tanken! :)

Kommendes Wochenende (ich gebe es ja zu, ich reise hier recht viel, aber es ist einfach so unglaublich spannend und gleichzeitig richtig günstig) geht es übrigens in die alte Kaiserstadt Xi’an, wo ein weiteres touristisches Highlight Chinas auf uns wartet: Die Terrakotta-Armee!

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Ausflug in den Süden – wunderschönes Guilin!

Mit einem Urlaubstag (Montag) im Gepäck ging es mit meinen Mitbewohnern Yannik und Stefan über das nun dreitägige vergangene Wochenende nach Guilin in Südchina.

Nachdem wir gegen Freitag Mitternacht gelandet waren, ging es auf direktem Weg – nach etwas längerer Verhandlung mit dem Taxifahrer, der anfangs unwillig war, das Taximeter einzuschalten und stattdessen ein „Schnäppchen“ vorschlug – in unsere „Homebase“, das Hotel Jindi in Guilin, in dem wir für die kommenden drei Nächte vorsorglich reserviert hatten.

Elefantenrüsselberg
Mit dem Buchungsbeleg für die Li-Flusskreuzfahrt in der Tasche und ein paar Jiaozi (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen) im Magen ging es am frühen Samstag Morgen zunächst zum Elefantenrüsselberg unweit unseres Hotels. Dieser Felsen sieht aus, als würde ein (der Sage nach vom Himmelsgott versteinerter) Elefant seinen Rüssel in den Li-Fluss halten und trinken.

Mit dem Bambusboot über den Li-Fluss
Nach einer Busfahrt zur Anlegestelle ging es dann direkt auf das spartanisch eingerichtete Bambusboot, das uns die nächsten zwei bis drei Stunden flussabwärts nach Xingping bringen sollte. Zur Landschaft kann ich gar nicht so viele Worte verlieren, einzig: Hinfahren, Anschauen (oder alternativ: meine Fotos anschauen) – atemberaubend! :)
Der Fluss ist gesäumt von bewaldeten Karstkegeln, die mystisch im Nebel versinken, an den Ufern wachsen riesige Bambusrohre, die Fischer fällen und zu Floßen zusammenbinden und auch der ein oder andere Wasserbüffel stillt im seichten Wasser seinen Durst. Das tolle Wetter machte die Floßfahrt dann schließlich zu einem rundum gelungenen Erlebnis, das ich nicht missen möchte.

Kormoranfischen aus nächster Nähe
Von Xingping aus ging es dann über Yangshuo in ein winziges Fischerdorf an einem Seitenarm des Li-Flusses, wo wir auf noch kleineren Floßen als zuvor zu einer Stelle des Ufers gebracht wurden, wo wir uns zum Einen die Wasserbüffel und zum Anderen den traditionellen Nassreisanbau ganz genau anschauen konnten.
Das Highlight des Ausflugs war für mich aber das Kormoranfischen: Der Fischer wirft die hungrigen Vögel ins Wasser und diese fangen mit ihrer Geschicklichkeit und Schnelligkeit innerhalb weniger Sekunden die begehrten Fische, die ja auch ihre eigene Nahrungsgrundlage darstellen. Dank einer Schnur um den Hals können sie die dicken Fische allerdings nicht unterschlucken, sondern schwimmen zurück zum Floß und haben sie nur im Mund/Hals stecken, von wo aus der Fischer sie in einen Eimer befördert und den Vogel zurück in den Fluss wirft – eine unglaublich effektive Alternative zur Angel. Nach getaner Arbeit dürfen die Vögel natürlich auch ein paar Fische für den „Eigenbedarf“ fangen, nachdem sie von der „Fresssperre“ befreit sind. Dass die Landschaft (insbesondere im Sonnenuntergang) auch hier beeindruckend war, brauche ich eigentlich gar nicht zu erwähnen, aber es wird mir gerade beim Erzählen wieder klar, wie schön dieses Fleckchen Erde ist.

This Old Place Xingping
Wieder zurück in dem sehr ländlichen und kleinen Xingping, haben wir zunächst im Hostel “This Old Place” eingecheckt (etwa 5 Euro pro Person und Nacht im Dreibettzimmer) und dann mit der Managerin, die wir zuvor im Bus kennengelernt hatten, den Abend bei Billard, Tischkicker und Pingpong ausklingen lassen.

Mit dem Fahrrad in der Region
Der Sonntag begann mit einer ausgedehnten Fahrradtour durch die umliegenden von Landwirtschaft geprägten Dörfer (wenn man 10 zusammenstehende Häuser schon als Dorf bezeichnen darf) und bot einen tollen Einblick in das Leben vor Ort (von der tollen Landschaft mal abgesehen), auch wenn die Strassen weder in Google Maps eingetragen, noch in einem annehmbaren Zustand waren – aber aus diesem Grund hatten wir ja extra die „neuen“ Fahrräder für völlig überzogene 2 Euro pro Tag gemietet. Long story short: Ebenfalls unglaublich empfehlenswert, ein Bild sagt mehr als tausend Worte! Falls sich jemand bei einem Blick auf die Bilder und seinen Kalender wundert: Ja, es ist auch im November angenehm warm in Guilin und Umgebung! ;)

Atemberaubender Ausblick: Aufstieg auf einen Karstkegel
Wer kennt nicht das beliebte Sprichwort „Kein Fleiß, kein Preis!“ – deshalb sind wir nach der Fahrradtour, die ob der Strassenqualität doch etwas über bloßes Aufwärmen hinausging, noch auf einen der Karstkegel direkt am Ufer des Li-Flusses direkt neben dem Hafen von Xingping geklettert. Das Objekt der Begierde heißt Laozhai Hill, ist 374 Meter hoch und bietet nach einem etwa halbstündigen (je nach gewünschter Intensität auch längerem) – inbesondere bei dem angenehm-warmen Klima – schweißtreibenden Aufstieg einen atemberaubenden 360-Grad-Rundblick.

Reisterrassen wohin das Auge blickt
Sonntag Abend ging es dann von Xingping über Yangshuo, einen Ort der nur aus Restaurants und Souvenirgeschäften besteht, zurück nach Guilin, damit wir am Montag Morgen früh genug zu den Longsheng Reisterrassen starten konnten.
Nach der mehr als zweistündigen Fahrt haben wir uns zuerst ein traditionelles Bergdorf der Yao-Minderheit angeschaut und eine Vorführung besucht, in der sie neben einigen ihrer Bräuche auch ihr extrem langes (bis zu 180 cm) schwarzes Haar zur Schau stellten. Das letzte Stück zum Gipfel mussten wir zu Fuß zurücklegen, deshalb war selbstverständlich eine Stärkung nötig – allerdings griffen wir nicht zur gegrillten Bambusratte (s. Bild), sondern stattdessen zum im Bambusrohr gegrillten Reis, sehr lecker! Ebenfalls delikat war die Aussicht vom gut 1000 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt über die Bergdörfer und die vor etwa 600 Jahren von Hand angelegten Reisterrassen.

Zurück in Guilin haben wir dann nach einigem Hin und Her doch noch einen Taxifahrer gefunden, der uns für etwa 10 Euro zum Flughafen gefahren hat – ohne Taximeter versteht sich – und sind gegen Mitternacht wohlbehalten und vollkommen zufrieden in Beijing angekommen. War ein toller Trip, ich würde fast sagen der Beste bisher! :)

Dieses Wochenende geht’s nun nach Qingdao, einen Küstenort, der bis 1949 deutsch-japanische Kolonie war. In diesem Badeort, der zu den saubersten und besten Chinas zählt, wird übrigens auch das beste Bier Chinas, das Tsingtau (dt. für Qingdao), gebraut – selbstverständlich nach deutschem Vorbild! ;)

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Ein Wochenende in Suzhou und Shanghai

Vorletztes Wochenende hat es meinen Mitbewohner Yannik und mich nach Suzhou und Shanghai gezogen. Die Anreise geschah – da ich freitags zu spät aus dem Büro komme um den letzten High-Speed-Train zu kriegen – mit dem Nachtzug, diesmal allerdings im Sitzen, da die Schlafwagons schon ausgebucht waren.

Suzhou
Nachdem wir morgens um 8 Uhr alles andere als erholt am Bahnhof von Suzhou ankamen, haben wir uns zum Frühstück erst mal ein paar ziemlich große Dumplings gegönnt. Nach dieser Stärkung sind wir dann zur sehr imposanten 70 Meter hohen Pagode am Nordtempel und haben diese (über für ausgewachsene Europäer sehr schmale Treppen) bestiegen und die Aussicht genossen.
Danach besuchten wir den „Garten des bescheidenen Beamten“, ein Garten in südchinesischem Stil mit vielen kleinen Seen, Brücken und Gebäuden, der in Reiseführern als Must-See von Suzhou genannt wird (zusammen mit 3-4 anderen Gärten).
Ein weiteres Must-See, die Kanäle die Suzhou den Namen „Venedig des Ostens“ einbrachten, erkundeten wir bei einer Kanalrundfahrt in einem stilechten Holzboot. Der sehr motivierte Gondoliere versüßte uns die Fahrt sogar mit diversen Gesangsdarbietungen und brachte uns die Kunst des Steuerns einer solchen Gondola näher. Aber auch das Leben am Ufer der Kanäle ist sehr interessant zu beobachten, da es fast scheint, als sei dort die Zeit stehen geblieben – altes China pur! ;)
Im Anschluss sind wir mit einem Fahrradtaxi für weniger als 1 Euro (der arme Kerl ist fast gestorben, da wir beide zusammen knapp 200 kg auf die Waage bringen) zu einer Seidenfabrik gefahren und wollten die Produktion sehen. Die freundliche Dame dort wollte uns allerdings direkt in die Verkaufsräume führen – so nicht! Also mussten wir vorgeben kein Wort zu verstehen und sind einfach durch die Produktionsräume gegangen und haben uns alles genau angeschaut, vom Einspannen der Kokons der Seidenraupe bis zum Einpacken der fertigen Produkte (Kissen und Decken).
Bevor wir dann gegen 16 Uhr den High-Speed-Zug nach Shanghai genommen haben (Business Class für etwa 7 Euro, Economy war schon ausverkauft), haben wir an einem kleinen Imbiss noch sehr leckere „Reis-Ecken“ (Größe und Form wie Nussecken, allerdings aus klebrigem Reis mit Rosinen) gegessen.

Shanghai
Nach dem Check-In im Mingtown Hostel (6 Euro p.P. und Nacht im Dorm) nahe des People Square und in Fußnähe von allen wichtigen Tourist Spots, sind wir zunächst zum sogenannten „Bund“, einer bekannten Passage am Ufer des Huangpu-Flusses, spaziert und haben die glitzernde und schillernde Skyline des Business Districts auf uns wirken lassen. Eine noch bessere Aussicht hatten wir dann bei einem Cocktail in der Bar „Cloud 9“ im 87. Stock des Jinmao-Towers – insbesondere das Finanzcenter, genannt „Flaschenöffner“, und der Fernsehturm sind wichtige Landmarks des „neuen“ Shanghai.
Am Sonntag haben wir dann nach einer Stadtrundfahrt mit einem Doppeldecker-Bus das alte Shanghai unsicher gemacht: Zuerst sind wir zum sehr geschichtsträchtigen Ort des ersten Kongresses der Kommunistischen Partei Chinas gegangen, danach zunächst in die „tatsächliche“ Altstadt, d.h. dem Teil von Shanghai, wo sich noch das alte Shanghaier Leben in den schmalen Gassen abspielt und sich fast gar kein Westler hin verirrt. Zum Schluss haben wir auch noch einen Abstecher in die für Touristen aufbereitete „Altstadt“ gewagt. Hier ist eigentlich nur das Teehaus mit der Zick-Zack-Brücke zur Geisterabwehr erwähnenswert, der Rest ist 100% Touristen-Falle mit hohen Preisen, künstlichen Fassaden und definitiv nicht „original“ chinesisch.
In der verbleibenden Stunde bis zur Rückfahrt nach Beijing (High-Speed-Train, 2. Klasse, etwa 62 Euro) um 17.38 Uhr haben wir dann noch eine Rundfahrt im Business District gemacht, die im Preis für die Stadtrundfahrt am Morgen (3 Euro p.P.) ohnehin integriert war.

Shanghai ist übrigens im Vergleich zu Beijing definitiv in nur 1-2 Tagen gut zu besichtigen, da es hier viel weniger tatsächliche Sehenswürdigkeiten gibt, die einen Besuch wert sind. Falls man also in Shanghai schon alles Interessante gesehen hat und einen Halbtag entbehren kann, lohnt sich auch ein Ausflug nach Suzhou allemal.

Rückblickend kann ich sagen es war ein erfolgreicher Trip und wir haben viel Spannendes und Interessantes erlebt und gesehen – touristisch wie auch „untouristisch“.

(Hinweis: Diesen Eintrag habe ich schon letzten Donnerstag geschrieben, aber erst jetzt veröffentlicht, sodass der folgende Absatz etwas verwirrend ist… :D )
Nun freue ich mich schon auf die nächste Reise – morgen Abend geht es mit dem Flugzeug nach Guilin in Südchina, wo wir (meine Mitbewohner Yannik und Stefan sowie ich) drei Tage inmitten malerischer Landschaft (Karstkegel, Reisterrassen und der bekannte Li-Fluss) verbringen und hoffentlich die Hektik, Lautstärke und schlechte Luftqualität der Megacities nicht vermissen werden.

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Datong, Pingyao & Luoyang

Das vergangene Wochenende hat bereits am Donnerstag begonnen und das habe ich doch direkt mal für eine 4-tägige Reise durch das “alte” China genutzt.

Datong: Hängendes Kloster und Yungang-Grotten
Die knapp 400 km von Beijing nach Datong haben ich aus Gründen der Zeit- und Geldersparnis im Nachtzug (Hardsleeper, versteht sich ;) ) zurückgelegt und konnte so am Donnerstag Morgen direkt mit dem Sightseeing beginnen. Der erste Programmpunkt war das architektonisch anspruchsvolle und sehr sehenswerte “Hängende Kloster”, das bereits im 6. Jahrhundert an eine Felswand im Heng Shan Gebirge gebaut wurde.
Am Nachmittag habe ich dann die Yungang-Grotten besucht, die ebenfalls um das 5. und 6. Jahrhundert entstanden sind. Diese mehr als 200 Grotten und Nischen, die mit mehr als 51.000 Buddhastatuen verziert sind, sind ein sehr beeindruckendes Beispiel chinesischer Steinmetzkunst.

Pingyao: Altstadt und Wang Jia Dayuan
Auch die knapp 500 km von Datong nach Pingyao habe ich mit dem Nachtzug zurück gelegt, sodass ich jeweils einen ganzen Tag (von morgens 6-7 Uhr bis abends 23 Uhr) in beiden Städten hatte. Nach einem kurzen Erkundungsgang in der morgens vom Nebel verschleierten Altstadt bin ich zu einem der riesigen Anwesen einer erfolgreichen Kaufmannsfamilie gefahren, dem Wang Family Compound etwa 50 km außerhalb von Pingyao. Dieses im 17. Jahrhundert erbaute Anwesen besteht aus über 1000 Räumen und wirkt fast wie eine chinesische Kleinstadt mit all den Höfen, Gärten und der traditionellen Architektur.
Am Nachmittag habe ich mir dann die historische Altstadt aus der Ming- und Qing-Zeit genauer angesehen – das geht natürlich am besten mit einem ausgedehnten Fußmarsch durch all die alten Gassen und einem Blick in den ein oder anderen Wohnhof. Nach eingehender Prüfung kann ich sagen: Das Stadtbild ist nicht umsonst UNESCO Weltkulturerbe! ;)

Luoyang: Longmen-Grotten und Shaolin-Tempel
Die fast 700 km von Pingyao nach Luoyang sind selbstverständlich wie gemacht für eine Fahrt mit dem Nachtzug – diesmal sogar mit einer ausreichenden Schlafdauer.
Nach dem Check-In im Mingyuan Hotel (6€ für eine Nacht) – nach drei Nächten im Zug sollte nun also tatsächlich mal eine folgen, in der ich nicht im Schlaf mehrere hundert Kilometer zurück lege ;) – hab ich mir die zweiten buddhistischen Grotten innerhalb von drei Tagen angesehen: Die Longman-Grotten. Obwohl ich es von einigen Leuten genau umgekehrt gehört hatte, muss ich allerdings sagen, dass mir persönlich die Yungang Grotten besser gefallen haben. Die Longmen-Grotten sind zwar größer und haben auch einige richtig schöne Stellen, aber die Yungang-Grotten sind insgesamt von besser Qualität. Das kann auch daran liegen, dass diese im Gegensatz zu den Longmen-Grotten von der Kulturrevolution weitestgehend verschont geblieben sind.
Der Sonntag war dann ganz dem Kong Fu gewidmet: Ein Ausflug (mit dem öffentlichen Bus ca. 2€ pro Weg) zum gut 80 km entfernten Shaolin-Tempel auf dem Berg Songshan. Neben der Besichtigung der Kong Fu-Schule und des eigentlichen Tempels, hatte ich auch die Gelegenheit, eine Vorführung der Shaolin-Mönche zu sehen. Dort wurden unter anderem Nadeln durch Glasplatten geschlagen, ohne diese zu zersplittern, sowie Eisenstangen “mit Köpfchen” halbiert – eventuell kommt zu einem späterem Zeitpunkt mal noch ein Video zur Show. Den Abschluss bildete ein Besuch des Friedhofs der Äbte des Shaolin-Tempels, dem sogenannten Pagoden-Wald. Ein Blick auf die Fotos erklärt den Namen direkt: Jedem der Verstorbenen wurde eine eigene bis zu 18 Meter hohe Steinpagode errichtet.

Der Rückweg (etwas mehr als 800 km) wurde – wie könnte es anders sein – ebenfalls auf dem Hardsleeper zurückgelegt, so dass ich montags morgens um 6:30 Uhr wieder in Beijing war und nach einer gründlichen Nassrasur, einer warmen Dusche und einem stärkenden Frühstück pünktlich und zu neuen Taten bereit wieder im Büro erschienen bin.

Insgesamt hat mir der Kurztrip in die Geschichte sehr gut gefallen und ich kann die Nachahmung ausdrücklich empfehlen! ;)

PS: Das kommende Wochenende ist übrigens Suzhou und Shanghai an der Reihe – stay tuned! :)

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